Gebetsfahnen

Tibetische Gebetsfahnen

Falls du schon ein mal ein Land wie Nepal, Tibet oder Bhutan bereist hast, weißt du aus erster Erfahrung, dass tibetische Gebetsfahnen alle buddhistische Regionen des Himalayas schmücken. Die bunten Fahnen wehen in der Luft und tragen mit jedem Windzug ihre wohlgesinnten Mantras weit über die Berggipfel in die Welt hinaus.
Die buddhistischen Gebetsahnen spielen weltweit für zahlreiche Menschen eine große Rolle. Nachfolgend erfährst du mehr über diese Fahnen, die nicht nur Tempelanlagen, sondern auch Gärten, Yogastudios, Balkone, Wohnungen und vieles mehr zieren.

Welche Bedeutung haben tibetische Gebetsfahnen?

Tibetische Gebetsfahnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedem Lebewesen Frieden, Glück und Weisheit bescheren sollen.
Dabei richten sich die Gebete und Mantras nicht an eine bestimmte Gottheit, sondern werden durch den Wind zu allen Wesen getragen.
Ursprünglich stammen die bunten Fahnen wohl aus Indien und gelangten durch den 17. König des tibetischen Reiches auch in diesen Kulturkreis, als er begann, sich mit der buddhistischen Spiritualität zu befassen. Fortan forderte er die Bevölkerung dazu auf, es ihm gleichzutun und die mit Mantras bestickten Gebetsfahnen an Gebäuden oder draußen in der Natur aufzuhängen.
Dieser König entwarf auch die heutige Form der Gebetsfahne, die Symbole der Bön-Tradition und des Buddhismus miteinander vereint.
Während auf den unteren Ebenen Fahnen wehten, die das individuelle Glück unterstützten, bringen die Gebetsfahnen auf den Anhöhen die friedlichen Mantras zu allen Wesen und wirken sich positiv auf das spirituellen Wachstum aus.

Was hat es mit der Bedeutung der Farben auf sich?

Original Tibetfahnen lassen sich an den fünf verschiedenen Farben erkennen. Die Zahl fünf nimmt im Buddhismus einen besonderen Stellenwert ein und repräsentiert unter anderem die fünf Elemente:

  • Blau = Himmel
  • Weiß = Wolken
  • Rot = Feuer
  • Grün = Wasser
  • Gelb = Erde

Zudem wird Farbe einer bestimmter Emotion zugeordnet, die als grundlegend hinderlich angesehen wird:

  • Blau: Zorn
  • Weiß: Unwissenheit
  • Rot: Begierde
  • Grün: Geiz, Habgier, Neid
  • Gelb: Stolz, Ichsucht

Auf den Gebetsfähnchen finden sich darüber hinaus verschiedene Motive und Aufschriften. Das häufigste Motiv ist das „Lungta“, das Windpferd, das als Symbol für Reichtum und Glück steht.
Auf vielen Tibetfahnen ist das Windpferd von den vier Symboltieren umgeben, welche die vier Himmelsrichtungen darstellen:

  • Drache (steht für den Westen und für Kraft, Macht und Freiheit von Ängsten)
  • Garuda (Weisheit und ein mächtiges Antidot gegen die negativen Einflüsse von Nagas (Geistern))
  • Schneelöwe (das Erd-Element und furchtlose Freunde)
  • Tiger (Zuversicht, Erfüllung und ein Zustand der Erleuchtung)

Achte beim Aufhängen der Gebetsfahnen, darauf, dass du die Reihenfolge der Farben einhältst. Es wird dazu geraten, immer die Farben von links nach rechts, bzw. von Innen nach Außen aufzuhängen. Dabei repräsentiert blau den Anfang, während gelb für das Ende steht.
Übrigens sind die Gebetsfahnen nicht in allen Teilen Tibets bunt. In abgelegenen und ärmeren Gebieten kann man häufig einfarbige weiße Fahnen entdecken, da die Bewohner kein Geld für die teuren Färbungsmittel haben.

Was sollte beim Aufhängen einer Gebetsfahne beachtet werden?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Gebetsfahne zu befestigen. Für die Anbringung im Zimmer empfehlen sich Reißzwecke, Nägel oder spezielle Klammern für Wandtüchern.
Du kannst aber auch einfach die lange Schnur um einen Nagel binden.
Halte die Schnur dabei möglichst eng, damit das Ende nicht unschön herunterbaumelt.
Einen noch schöneren Effekt als an der Wand, erzielst du indem du die Gebetsfahne unter der Decke anbringst. Besonders eindrucksvoll wirkt es, wenn mehrere Fahnen in alle Himmelsrichtungen gespannt werden.
Am Fenster bringst du die fünf kräftigen Farbtöne durch die hereinscheinende Sonne besonders gut zum Strahlen. Natürlich kannst du damit auch deine Terrasse oder deinen Balkon in ein spirituelles Refugium verwandeln.
Auch was die Ausrichtung der tibetischen Fahnen betrifft, gibt es eine große Vielzahl an Möglichkeiten. Am bekanntesten ist wohl die horizontale Positionierung, gefolgt von der vertikalen Anbringung an einem Bambusstamm.
An Orten, an denen sich ein Todesfall ergeben hat, ein Lama Lehren erteile oder eine bedeutende Persönlichkeit eingeäscherte wurde, werden Pyramiden aus weißen Fahnen (Darpung) aufgehangen.

Welcher Zeitpunkt eignet sich besonders gut, um die tibetischen Fahnen aufzuhängen?

Streng gläubige Buddhisten halten sich an bestimmte Tage im tibetischen Kalender, wenn sie die Gebetsfahne anbringen wollen. Denn andere Tage sollen den Glauben nach die Wirkung der darauf stehenden Mantren und Gebete beeinträchtigen.
Idealerweise wählst du für das Dekorieren der neuen Fahnen einen Morgen mit positiver und uneigennütziger Intention bei zunehmenden Mond. In Tibet ersetzt man die alten und verwitterten Fahnen jedes Jahr am Lhosa, dem tibetischen Neujahrsfest. Auch andere wichtige Anlässe wie eine Beerdigung, eine Erkrankung oder eine Hochzeit können als bedeutungsvolle Tage zum Aufhängen der Fahnen dienen.

Nachdem die Schriftzeichen der Gebetsfahne durch den Wind abgetragen wurden, sollte diese ausgewechselt werden und laut Tradition mit Respekt verbrannt werden.

Welcher Ort eignet sich besonders gut für diese Fahnenart?

Wähle den Ort der Anbringung am besten so aus, dass der Wind sich darin verfangen kann. Denn nur stellst du sicher, dass sich die einzigartige und glücksverheißende Wirkung der Fahnen entfalten kann und vielen Menschen Positives beschert.

Je höher du die Flaggen platzierst, desto besser flattern sie in der Windbrise und können die Gebete weit hinaus in die Welt tragen.
Ganz besonders wichtig ist es, dass die Gebetsfahne niemals in Kontakt mit dem Boden kommt, da dies als extrem respektlos gilt.
Bei kaum einem anderen Symbol nimmt die Entsorgungsweise eine so wichtige Bedeutung ein. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass die Fahnen draußen immer verwitterter werden und die Farben aufgrund der Sonne und der Witterungsprozesse nachlassen. Dieser Prozess stellt den natürlichen Kreislauf des Lebens dar. Genau wie die Gebetsfahne altert auch ein jeder von uns und wird durch sein Ableben aus seinem jetziges Dasein scheiden.